Nachgefragt! Warum sich lebenslanges Lernen lohnt

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Lebenslanges Lernen – was zunächst wie ein Urteil klingt, ist laut Dr. Birgit Rommel viel mehr. Umbrüche und Veränderungen im Leben sind auch eine Chance zu lernen. Und: sich weiterzubilden kann auch noch Spaßmachen, sagt die Leiterin der Evangelischen Erwachsenen- und Familienbildung in Württemberg (EAEW) im Gespräch mit Nadja Golitschek


bildungsportal-kirche.de: Wie ist Erwachsenenbildung in der Bildungslandschaft einzuordnen?
Dr. Birgit Rommel:
Mich interessiert vor allem folgende Frage, wenn wir an Bildung denken: Ist Bildung etwas, das ich selbst tue? Oder ist Bildung etwas, was man durch andere „über sich ergehen lassen muss“? Bildung und Lernen soll den Erwachsenen Spaß machen. Dabei will die evangelische Erwachsenenbildung mit ihren Angeboten dazu beitragen, bewusster, verantwortlicher und glücklicher im Verhältnis zu sich selbst, zu Gott, zu den Mitmenschen und zur Umwelt zu leben.


bildungsportal-kirche.de: Warum macht Kirche Bildungsarbeit?
Rommel:
Die Bildungslandschaft differenziert sich immer weiter aus, da die Lebenslagen und Lebensfragen von Menschen vielfältiger werden. Als Kirche wollen wir lebensbegleitende Bildung für alle ermöglichen und Menschen helfen, ihre Orte zu finden, wo sie lernen und sich bilden können.



bildungsportal-kirche.de: Was ist das spezifisch „Evangelische“ an der evangelischen Erwachsenenbildung?
Rommel:
Evangelische Erwachsenen- und Familienbildung ist mehr als religiöse und theologische Bildung, aber sie kann auch nicht ohne. Wir richten uns allerdings nicht nur an ein evangelisches Publikum, sondern auch an Menschen, die anderen Konfessionen oder Religionen angehören. Evangelische Erwachsenenbildung lädt dazu ein, Glaubensfragen zu stellen und mit anderen darüber zu sprechen und sich mit den Antworten der christlichen Tradition auseinanderzusetzen. Im Vordergrund steht immer der einzelne Mensch, mit seinen Kompetenzen und seiner Unverwechselbarkeit, den wir ernst nehmen. Wir wollen ihm nichts überstülpen.



bildungsportal-kirche.de: Welchen Nutzen können Teilnehmer aus den Bildungsangeboten ziehen?
Rommel:
Gute Erwachsenenbildung muss nicht unmittelbar „verwertbar“ sein. Jeder soll sich entfalten und seinen Fragen nachgehen können. Trotzdem nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer natürlich etwas aus den Bildungsangeboten mit: Wie bin ich zu der Person geworden, die ich jetzt bin? Woran glaube ich, woran glaube ich nicht und mit welchen Fragen möchte ich mich noch beschäftigten?  Oder Familien und Senioren erhalten Kontakt zu Menschen in ähnlichen Lebenssituationen. Und manchmal steht auch ein klares Qualifizierungsinteresse vor Augen, sei es ehrenamtlich oder beruflich.



bildungsportal-kirche.de: Bis zu welchem Alter ist Bildung sinnvoll?
Rommel:
Lebenslänglich, auch wenn das wie ein Urteil klingt. Menschen lernen, solange sie leben. Trotzdem lernen Menschen nicht immer gleich. Wenn die 68er Generation 68 Jahre alt wird, hat sie andere Interessen als frühere Generationen von Senioren. Die Erwachsenenbildung arbeitet darum zusammen mit den Menschen heraus, was die Themen sind, die sie gerade interessieren und wie sie angegangen werden sollen.

 

bildungsportal-kirche.de: Was ist Ihre Motivation, im Bildungsbereich für Erwachsene und Familien tätig zu sein?
Rommel:
Die Lust am Lernen. Dass es Spaß machen kann, allein und vor allem gemeinsam mit anderen Fragen zu entdecken, Antworten zu erproben, in den Meinungen auseinanderzugehen und mich mit unterschiedlichen Glaubenstraditionen zu beschäftigen. Weil ich all das selbst erlebt habe, möchte ich andere daran teilhaben lassen, gute Erfahrungen mit Erwachsenenbildung zu machen.

 

bildungsportal-kirche.de: Vielen Dank für das Gespräch!

 

 

Dr. Birgit Rommel

Dr. Birgit Rommel

Dr. Birgit Rommel ist seit acht Jahren Leiterin der Evangelischen Erwachsenen- und Familienbildung in Württemberg (EAEW). Sie ist verantwortlich für die theologische Fortbildung und die Entwicklung von Kursmaterialien, daneben ist für die Verwaltung der Personalkostenzuschüsse des Landes und für die politische Interessenvertretung der EAEW gegenüber dem Land und der Landeskirche zuständig.

 
 
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