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Der nächste Seelsorgetag findet am 2. Juli 2012 zum Thema: Vergebung und Versöhnung in der Seelsorge in der Diakonissenanstalt Stuttgart statt.
Referent: Roland Kachler, Pfarrer, Dipl. Psychologe, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle im Kreisdiakonieverband Esslingen
Er hat inzwischen Tradition, der Seelsorgetag des Seminars für Seelsorge-Fortbildung, der alle zwei Jahre zu einem wichtigen seelsorgerlichen Thema stattfindet.

Alter – Schicksal oder Gnade? Impulse für die Seelsorge an älteren Menschen
Zu diesem Thema kamen am 5. Juli 2010 150 Menschen zusammen, Männer und Frauen, ältere und jüngere, hauptamtlich tätige und ehrenamtlich engagierte.
Was alle miteinander verbunden hat, ist das Anliegen, dass die Seelsorge an älteren Menschen in unserer Kirche einen Raum hat und in guter, qualifizierter Weise wahrgenommen wird.

Seminarleiterin Gertraude Kühnle-Hahn begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Seelsorgetags. „Seelsorge ist die Muttersprache der Kirche“, sagte sie, „das ist etwas ganz Elementares, Grundlegendes, Unverzichtbares. Seelsorge ist die Sprache, die viele Menschen verstehen, auch die, die sich der Kirche, der Gemeinde nicht nahe fühlen.“

Die Seelsorgetage verstehen sich als Beitrag dafür, dass die Muttersprache Seelsorge verständlich, gut verwurzelt und qualifiziert gesprochen werden kann, betonte sie.
Kirchenrätin Dr. Karin Grau gestaltete den Morgenimpuls zu Psalm 139 und richtete darin das Augenmerk auf den Gegenpol zum Alter, den Anfang, den Morgen des Lebens.

In ihren Grußworten nahmen Oberkirchenrat Wolfgang Traub, der neue Personaldezernent, und Dr. Susanne Edel, Geschäftsführende Direktorin des Hauses Birkach, Bezug zu der Frage: Welche Seelsorge wünsche ich mir im Alter?

Für den Verein Seelsorge und Pastoralpsychologie sprach dessen 2. Vorsitzender Pastor Armin Besserer ein Grußwort.

Den Hauptvortrag hielt Prof. Dr. Gunda Schneider-Flume aus Leipzig.
In ihrer zugleich theologisch fundierten und der menschlichen Wirklichkeit nahen Art entfaltete sie das Thema „Alter – Schicksal oder Gnade?“ in 8 Punkten:
1. Lebensgeschichte ohne Leistungsdruck - Seelsorgerliche Biographiearbeit ist darum bemüht, jedes Leben mit seiner Fragilität und seinen Brüchen anzunehmen.
2. Leben bis zuletzt - Am Ende des Lebens können „Bilder von Leben, Gnade und Seligkeit“ stehen (Martin Luther).
3. Harren statt Schlussstrichmentalität - Gottes Geschichte hebt die Schlussstrichmentalität auf und gibt durch das Harren auf ihn eine neue Perspektive.

4. Lebensfreude und Genießen - Von Lebensfreude zu erzählen, ohne sie erzwingen zu wollen, ist eine dringliche Aufgabe seelsorgerlichen Gesprächs.
5. Klage und Fürklage - Die Klage hat ein eigenes Recht. Eine Aufgabe der Seelsorge ist auch das stellvertretende Klagen.
6. Seelsorge als heilsame Unterbrechung der Langeweile - Seelsorge unterbricht das Leiden an der Langsamkeit der Zeit. Intensität und Regelmäßigkeit sind wichtig. Verlässlichkeit ist etwas von der Ewigkeit in der Zeit.
7. Lebensnotwendige Abhängigkeiten - Zum Leben gehört es von Anfang an, dass wir neben aller Eigenständigkeit in Abhängigkeiten leben.
8. Getröstetes Sterben - Christliche Seelsorge soll zum getrösteten Sterben beitragen. Das Reden vom „gelingenden“ Sterben ist in der Gefahr, das Lebensende unter Leistungsdruck zu stellen.

Am Nachmittag fanden zehn verschiedene Workshops statt, die das Motto des Tages aufnehmend den Blick auf bestimmte Themen wie Biographiearbeit oder Suizidalität im Alter und bestimmte Zielgruppen wie depressiv erkrankte oder an Demenz erkrankte oder kriegstraumatisierte Menschen richtete. Einige Workshops widmeten sich der Frage, wie das Alter in biblischen Texten aufgenommen wird.
Der Tag endete mit einem gottesdienstlichen Tagesausklang.
Der Mensch – nicht nur ein Bild,
Geschichte vielmehr,
die weiter greift als Ich, Subjekt und Selbst.
Die Herkunft ist,
wo aus Erbarmen
Raum und Zeit geschenkt
zum Leben.
Die Grenze ist gesetzt.
Doch bleibt die Zukunft offen
in der Geschichte Gottes
und seiner Ewigkeit.
Gunda Schneider-Flume