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Offener, respektvoller Dialog zwischen Christen und Juden

Westmauer des Tempelbergs und goldene Kuppel des Felsendoms; Studienreise 2009

Christen und Juden stehen in einem besonderen Verhältnis zueinander. Ist doch das Christentum aus dem Judentum hervorgegangen: Jesus Christus, an den alle Christen glauben, ist Jude. Dennoch ist in Deutschland erst nach dem schrecklichen Völkermord an den Juden während der Nazi-Herrschaft ein organisierter Dialog zwischen Juden und Christen entstanden. So pflegen seit Mitte der 1970er Jahre auch in Württemberg Christen das Gespräch mit Juden im christlich-jüdischen Dialog der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Raum für gemeinsame Gespräche und Erfahrungsaustausch bieten Toralernwochen und Fortbildungskurse mit jüdischen Lehrern, Studiennachmittage, Studienreisen und Exkursionen. Koordiniert wird der christlich-jüdische Dialog in Württemberg seit 2003 von Pfarrer Dr. Michael Volkmann, dem Beauftragten der evangelischen Landeskirche für das Gespräch zwischen Christen und Juden. Die Angebote richten sich an alle. "Auch Menschen, die keiner Religion nahe stehen, hatten wir schon in den Kursen", sagt Michael Volkmann. Als Teilnehmer nicht vorstellbar sind Christen, die jüdische Gläubige zum Christentum bekehren wollen.

Persönliche Begegnung bei der Thoralernwoche

Sitz des Pfarramts für das Gespräch zwischen Christen und Juden ist ab dem nächsten Jahr Bad Boll, dort werden auch die mehrtägigen Veranstaltungen organisiert. Studiennachmittage, die vormals im Kloster Denkendorf durchgeführt wurden,  finden ab 2010 im "Stuttgarter Lehrhaus" im Paul-Gerhardt-Zentrum im Stuttgarter Westen statt. Gespräche und Begegnungen stehen im Vordergrund: mit jüdischen, überwiegend orthodoxen Lehrern Tora lernen, mit der Auslegung der Schrift vertraut werden, in der persönlichen Begegnung mit Juden Vorurteile ablegen und gegenseitig in einen offenen, respektvollen Dialog eintreten. Kirchengemeinden etwa können während der Biblischen Lernwoche eine Lehrerin oder Lehrer aus Israel zur Toralernwoche in die Gemeinde einladen. Dabei werden ausgewählte Bibeltexte gelernt und diskutiert. 2010 geht es um das Thema "Joseph und seine Brüder: Israels Weg nach Ägypten". Kirchengemeinden, die eine solche Woche in ihrer Gemeinde organisieren möchten, können sich bei Pfarrer Michael Volkmann melden: "In den Kirchengemeinden sind die jüdischen Ehepaare vier Tage lang zu Gast, füllen dort thematisch Abende und sind auch tagsüber für Veranstaltungen ansprechbar", sagt er. Jedes Jahr gibt es Anmeldemöglichkeiten für diese Projekte.

Koscheres Essen bei einer Seminarreise nach Isreal

Um eine jüdische Lehrerin oder einen Lehrer mit ihren Ehepartnern aufnehmen zu können, sollte in der Gemeinde eine Unterkunft mit eigener Kochgelegenheit für die Gäste zur Verfügung stehen. Stichwort: koscheres Essen. Für die Lehrer wird koscher gekocht. In Denkendorf gab es eine eigene Küche mit koscherem Geschirr. Auch in Bad Boll wird eine solche Küche eingerichtet - wie  bisher auch nur für vegetarische milchige Speisen. Koschere Fleischgerichte zu kochen wäre etwas komplizierter. Steht das koschere Essen aber erst auf dem Tisch, ist es ganz unkompliziert. "Wir hatten zum Abschlussabend ein Büffet aufgebaut. Auf der einen Seite des Raumes gab es koscheres Essen und auf der anderen Seite unser übliches Essen. So konnte die gesamte Gruppe gemeinsam Sabbat feiern", erzählt Pfarrer Volkmann. Kommen zu den christlich-jüdischen Bibelseminaren und Toralernwochen mehr als zehn jüdische Lehrer in die Akademie, wird auch eine Synagoge eingerichtet. Im Gottesdienst rezitieren die Lehrer die hebräischen Texte aus der Torarolle, in der die fünf Bücher Mose in hebräischen Buchstaben von Hand aufgeschrieben sind, singend.

Begegnung mit israelischen Freunden: Wanderstudienreise 2009 nach Isreal und Jordanien.

Neben den Toralernwochen veranstaltet Pfarrer Volkmann mehrtätige Fortbildungskurse und, in Kooperation mit einem Studienleiter der Evangelischen Akademie Bad Boll, Tagungen wie die "Israel-Herbst-Tagung 2010" oder Vorträge mit dem Pfarrer und Journalisten Dr. Michel Krupp aus Jerusalem zur theologisch-jüdischen Frage nach dem Theodizee in der Zeit nach der Tempelzerstörung (70 n. Chr.) und nach dem Holocaust: "Wo war Gott?" im Februar 2010. Studiennachmittage werden in Stuttgart veranstaltet. Dort kooperiert die Arbeitsgruppe „Wege zum Verständnis des Judentums“ mit den beiden Vereinen „Haus Abraham“ und „forum jüdischer bildung und kultur“ im „Stuttgarter Lehrhaus, Stiftung für interreligiösen Dialog“. Themen sind etwa „Gedenk- und Erinnerungskultur im Judentum“ mit Dr. Yuval Lapide aus Weinheim. Und natürlich organisiert Pfarrer Volkmann auch Studienreisen nach Israel.

 

Lesen Sie mehr über Pfarrer Michael Volkmann, der das "Gespräch zwischen Christen und Juden" in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg begleitet. Klicken Sie hier.

Susanne Siebel;
Fotos: © Michael Volkmann


 

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