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Kleines Jubiläum mit großem Dank - Zwanzig Jahre Pastoralkolleg in Freudenstadt

Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1972:


Zur Eröffnung des Freudenstädter Pastoralkollegs am 29. September 1952 hat der damalige Landesbischof Martin Haug in einem Brief an alle Pfarrer in Württemberg (siehe oben) der Hoffnung Ausdruck gegeben, dass diese Einrichtung einen guten Dienst tun möge für Pfarrer und Gemeinden.

Seither sind zwanzig Jahre vergangen. In der Freudenstädter Fortbildungsstätte sind 180 Kurse durchgeführt worden, die von 2164 Kollegen unserer Landeskirche besucht worden sind. Im Jahr 1964 hat Kirchenrat Hans Stroh (im Bild links, im Gespräch mit Lehrgangsteilnehmern) den ersten Leiter, Kirchenrat Walther Geißer (Foto links unten), abgelöst. Bis heute ist er Leiter des Kollegs, Dozent der vierzehntägigen Kurse, Theologie und Seelsorger. Man wird heute ohne Übertreibung feststellen dürfen: die Hoffnungen von Bischof Haug haben sich erfüllt. Das Pastoralkolleg hat sich zu einer Einrichtung entwickelt, ohne die unsere Landeskirche ein gutes Stück ärmer wäre.

Zu den jährlich zehn zweiwöchigen Kursen kommen jeweils 14 Pfarrer verschiedenen Alters, theologischer Herkunft und Ausbildung aus allen Kirchenbezirken. Es gelingt Kirchenrat Stroh und seiner Frau in einer Zeit innerkirchliches und theologischer Konflikte Vertrauen unter Pfarrern zu schaffen. In einer Atmosphäre des offenen und ausgiebigen Gesprächs mit der Bibel wird die Glaubensgewissheit der Pfarrer gestärkt. Jeder Teilnehmer hat Gelegenheit zu berichten, warum er Pfarrer wurde, welche Lehrer ihn beeinflusst haben und wie sich seine tägliche Arbeit abspielt. Für die Glaubensfragen bleibt viel Zeit, so dass jeder seine Motive und Sorgen ausführlich darlegen kann. So müssen Lasten nicht allein getragen werden, und die Weggenossenschaft von Amtsbrüdern wird Wirklichkeit. "Wir haben Frieden im Haus, bei uns wird gemeinsam gebetet." Hans Stroh weiß, dass er damit nicht etwas Selbstverständliches ausspricht.

Neben der Vertrauensbildung ist die Information eine weitere Zielsetzung der Freudenstädter Arbeit. Oberkirchenrat Gottschick wies in einer Pressekonferenz anlässlich des zwanzigjährigen Bestehens des Pastoralkollegs darauf hin, dass Fortbildung kein Modewort sei. Die Verfallszeit des gelernten Wissens habe sich in den letzten Jahren ungemein beschleunigt. Ein voller Rucksack genüge heute nicht mehr bis zum Ruhestand. Kirchenrat Stroh bringt deshalb das Wissen der Pfarrer auf den Stand des unbedingt Notwendigen. Besonderen Wert legt er auf die Diskussion der theologischen Wissenschaft, wobei das Fach "Neues Testament" unbestritten zu seinem Lieblingsfach zählt.
Eine dritte Zielsetzung ist die Horizonterweiterung. Die in Freudenstadt getroffene Auswahl hat notwenig etwas Zufälliges an sich. Hier erhält jede Gruppe einen anderen Teilausschnitt.Die auffallendste Horizonterweiterung verdankt das Pastoralkolleg nach den Worten von Kirchenrat Stroh den Besuchen in Strassburg und der engen Freundschaft mit der dortigen Jüdischen Gemeinde. In jedem Kurs seit dem Frühjahr 1965 werden mit Juden Glaubensgespräche geführt und Gottesdienste in der Synagoge besucht.
Oberkirchenrat Gottschick hat das zwanzigjährige Bestehen des Pastoralkollegs als "kleines Jubiläum mit großem Dank" bezeichnet. In Freudenstadt sei keine Paukschule entstanden, in der von den Pfarrern ein bestimmtes Pensum absolviert werden müsse. Vielmehr werde dort in gemeinschaftlicher Arbeit gerungen, gelitten und Gemeinschaft gebaut. "Es ist keine Selbstverständlichkeit, dass das Kolleg nach zwanzig Jahren kein Problemfall der Landeskirche ist."


 

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