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|| Home > Bildungsanbieter & Tagungshäuser > Pastoralkolleg Württemberg > Geschichte > M. Böckheler: Walther Geisser zum Gedächtnis

Artikel im Evangelischen Gemeindeblatt 1967:
Vor 15 Jahren, am 29. September 1952, wurde das Pastoralkolleg der Württembergischen Landeskirche in Freudenstadt eröffnet. Dieses Datum erinnert viele württembergische Pfarrer daran, wie großen Dank sie dem jüngst verstorbenen, verehrten ersten Leiter des Pastoralkollegs Kirchenrat Walther Geisser schulden.
Weit über 1000 Pfarrer sind während der ersten 11 Jahre des Bestehens des Kollegs dieser geistvollen Persönlichkeit begegnet und haben durch ihn Stärkung und Ermutigung zum Dienst der Wortverkündigung und Seelsorge erfahren. Man spürte ihm an, dass er ganz persönlich an der Sache des Evangeliums beteiligt war als einer, der die Last und Gnade des Wortes Gottes erfahren hat. Von da her war er auch dem Bruder ganz persönlich zugewandt mit einem weiten verstehenden Herzen, bereit, zu hören und zu helfen und zu lernen.
Wortverkündigung und Seelsorge bildeten bei ihm eine untrennbare Einheit. Das gab seiner bildkräftigen Predigt das besondere Gepräge. Davon wissen auch viele dankbare Predighörer aus seinen früheren Gemeinden Gomadingen, Winnenden, Tübingen und Korntal zu sagen.
Dieses Verhaftetsein an das Wort und das Charisma der Brüderlichkeit machten Walther Geißer in besonderer Weise zu einem Seelsorger der Seelsorger. Ein Kursteilnehmer bekennt: "In den gemeinsamen Stunden am großen Tisch erlebten wir ihn als Seelsorger. Von der Tiefe der Anfechtung und von dem Trost aus der Tiefe, vom wahren, gänzlich unsentimentalen Gehaltensein im Glauben hat er zu uns gesprochen, wie ich es seitdem nicht mehr vernahm." (In diesem Zusammenhang weisen wir hin auf W. Geißers Besinnung über 'Beichte und Absolution in evangelischer Sicht', veröffentlicht in den 'Calwer Heften', 1966).
Mit seinem scharfen Verstand verfolgte er, der von Adolf Schlatters Theologie geprägt war, die theologischen Auseinandersetzungen unserer Zeit und leitete er als ein lebendiger, hilfreicher Gesprächspartner die theologische Diskussion. Seine langjährige Amtserfahrung befähigte ihn, zuverlässigen Rat zu geben, wenn die mannigfachen Fragen des Pfarrerdienstes aufkamen. Dabei ging er auf die Gedanken der am Gespräch Beteiligten gründlich ein. Aus seiner christlichen Verantwortung heraus wagte er auch, zu Fragen der Politik, wie schon einst in der Zeit des Kirchenkampfes, offen Stellung zu nehmen. Er respektierte jedoch die politische Meinung Andersdenkender. Die im Hause Geißer froh geübte, großzügige Gastfreundschaft trug wesentlich dazu bei, dass die Kursteilnehmer sich im Freudenstädter Kolleg heimisch fühlten. Wenn Kirchenrat Geißer die Teilnehmer eines jeden Pastoralkurses nach Colmar an den Isenheimer Altar von Matthias Grünewald führte, war das mehr als eine genussreiche Kunstfahrt. Wie Johannes auf diesem ergreifenden Altarbild wollte er uns auf den Gekreuzigten und Auferstandenen hinweisen. Als solchen demütigen Vermittlerdienst hat er seinen kirchlichen Auftrag, ja das Amt des Pfarrers überhaupt, verstanden. Dafür danken wir ihm.
Aus Walther Geißers geistlichen Gedichten mögen folgende Verse zu uns sprechen:
"Ostern 1966
Wie wechselt die Gemeinschaft mit dem Herrn!
Bald danken wir, dass er so nahe ist,
bald trauern wir, als sei er uns ganz fern,
als flehten wir umsonst: "O komm, Herr Christ,
und lass genesen Leib und Seel' im Licht!"
Getrost! Von seiner Seite ist ohn' Unterlass
auf uns gericht't sein leuchtend Angesicht,
denn seine Treue ist ohn' alles Maß
und jener Ostertag ist nicht mehr weit,
da auch von unsern Augen jeder Schleier fällt,
so dass wir schauen seine Herrlichkeit,
und Gottes Gegenwart die ganze Welt erhellt."